Tiefer einsteigen – Lesenswerte Bücher über Flüchtlinge

Die Flüchtlingskrise ist und bleibt eines der Themen, über die die großen Zeitungen derzeit am meisten berichten, diskutieren und urteilen. Diese Meldungen schüren einerseits Angst und Misstrauen vor dem Fremden, dem Neuen, und was es für unser Leben in Deutschland bedeutet. Andererseits rufen sie viel positive Resonanz hervor, da sich Menschen im ganzen Land ehrenamtlich engagieren und sich bemühen, den Geflüchteten das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Doch wer genau sind diese Menschen, die da bei uns ankommen, welche Ängste und Hoffnungen haben sie, welche Schicksale mussten sie erleiden? Und welche Pflichten hat Europa ihnen gegenüber? Fragen, mit denen sich die Zeitungen nur sehr selten wirklich beschäftigen. Um ein umfassenderes Bild über die Hintergründe der Flüchtlingskrise zu bekommen, empfehlen wir folgende Bücher über Flüchtlinge aus ganz verschiedenen Genres:

 

Ich bleibe eine Tochter des Lichts – Bücher über Flüchtlinge

Bücher über Flüchtlinge(Shirin mit Alexandra Cavelius und Jan Kizilhan, Europa Verlag, 368 Seiten, 18,99€)

Der biografische Roman „Ich bleibe eine Tochter des Lichts“ schildert den Leidensweg einer Jungen Jesidin, die in die Hände des IS gefallen ist, als Sklavin missbraucht und misshandelt wurde und es schließlich schafft, mit Hilfe nach Deutschland zu flüchten. Ein erschütternder Bericht über die Unmenschlichkeit des Islamischen Staates, der zum Nachdenken anregt und definitiv lesenswert ist.

 

2850 Kilometer – Bücher über Flüchtlinge

Bücher über Flüchtlinge(Miriam Faßbender, Westend Verlag, 288 Seiten, 16,99€)

Kamerafrau und Regisseurin Miriam Faßbender hat monatelang zwei junge Afrikaner auf ihrem Weg Richtung Europa begleitet. In „2850 Kilometer – Mohamed, Jerry und ich unterwegs in Afrika“ berichtet sie von ihren Eindrücken des Lebens auf der Flucht, den Menschen und Schicksalen, die sie kennengelernt hat. Eindrucksvoll thematisiert sie zudem die Erfahrung, die Einzige zu sein, die jederzeit die Möglichkeit hat, in ein Flugzeug zu steigen, das Elend und die Entbehrungen Afrikas hinter sich zu lassen und auf direktem Weg nach Europa zu gelangen.

 

Heimat im Kochtopf – Bücher über Flüchtlinge

(Séverine Vitali, Ursula Markus, Rotpunktverlag, 272 Seiten, 37,50€)

Bücher über FlüchtlingeAus seinem Heimatland zu fliehen heißt Hab und Gut zurücklassen und sich auf ins Ungewisse zu machen. Im Gepäck sind lediglich Erinnerungen, Ängste, Träume, Erfahrungen … und traditionelle Rezepte von zu Hause. In „Heimat im Kochtopf“ erzählen zwölf Flüchtlingsfamilien aus unterschiedlichen Ländern ihre Geschichte und geben die Gerichte preis, die sie am meisten mit ihrer Heimat verbinden. Die Kombination aus Lebensgeschichten von Migranten und deren Rezepten gibt einen ganz neuen Blickwinkel auf die Schicksale der Flüchtlinge. Ein etwas anderes Kochbuch, das sich mit der Frage beschäftigt: „Wie schmeckt eigentlich Heimat?“

 

Im Namen der Menschlichkeit – Bücher über Flüchtlinge

Bücher über Flüchtlinge(Heribert Prantl, Ullstein Buchverlage, 32 Seiten, 3,99€)

„Europa schützt seine Grenzen, aber nicht die Flüchtlinge!“ bemängelt Heribert Prantl in seinem Buch „Im Namen der Menschlichkeit“. Mit Zahlen und Fakten belegt plädoyiert er auf nur 32 Seiten für ein fundamentales Umdenken in der Flüchtlingspolitik: Im Mittelpunkt solle nicht die Abschottung Europas stehen, die zur Folge hat, dass jährlich Hunderte von Menschen im Mittelmeer ertrinken, sondern Menschlichkeit und Integration. Eine gut recherchierte Streitschrift, die die Politik zum Handeln herausfordert.

 

Sommer unter schwarzen Flügeln – Bücher über Flüchtlinge

Bücher über Flüchtlinge(Peer Martin, Oetinger, 528 Seiten, 19,99€)

Calvin, Mitglied einer Neo-Nazi Jugendgang, trifft auf die Syrerin Nuri, die in einem Asylheim nur einige Häuser von ihm entfernt wohnt. Eine Begegnung, die jede Menge Sprengstoff birgt. Spannend und schonungslos wird die Kindheit Nuris in Syrien, das anfängliche Misstrauen der beiden, das sich schließlich in Zuneigung und Interesse verwandelt, und die daraus entstehenden Probleme mit Calvins rechtsextremer Gruppe erzählt. Eine Liebesgeschichte zwischen Fiktion und grausamer Wirklichkeit.

 

Mein Freund Salim – Bücher über Flüchtlinge

Bücher über Flüchtlinge(Uticha Marmon, Magellan Verlag, 160 Seiten, 13,95€)

Auch Kinder bemerken, wenn in der Schule oder im Kindergarten plötzlich Jungen und Mädchen auftauchen, die ungewöhnlich aussehen, kein Deutsch sprechen und sich manchmal anders verhalten als die übrigen Klassenkameraden. Dieses Buch für Kinder ab 8 Jahren erklärt einfühlsam am Beispiel des jungen Syrer Salim, woher die Flüchtlinge kommen, warum sie ihre Heimat verlassen müssen und, dass man nicht die gleiche Sprache sprechen muss, um Freunde zu werden.

 

Wer dann aber genug vom Lesen hat und selbst aktiv werden möchte, kann schnell das Buch beiseite legen und sich die BETO-App herunterladen. Die App verbindet bequem über das Smartphone Personen, die Hilfe mit Amtsbesuchen, Deutsch Lernen, oder Ähnlichem suchen bzw. anbieten oder einfach gemeinsam Freizeitaktivitäten wie Kochen, Sport oder Kulturprogramm unternehmen möchten. Dadurch wird das gesellschaftliche Miteinander und Inklusion gefördert, ganz nach dem Motto der App: better together.

Inklusion Gemeinsam Wohnen

HOME NOT SHELTER! – Inklusion leben

Gemeinsam leben statt getrennt wohnen – das ist der Leitsatz des großartigen Wohnprojekts, das von der TU Wien, der TU Berlin, der TU München, der Jade Hochschule Oldenburg sowie der Universität Hannover entwickelt und von der Hans Sauer Stiftung getragen wird. Die Initiative HOME NOT SHELTER! setzt Inklusion in die Tat um, indem sie gemeinsamen Wohnraum für Studierende und Flüchtlinge schafft. 

 

 Das Projekt im Querschnitt

Über ein Jahr gingen die Workshops, in denen Architekten, wissenschaftliche Mitarbeiter der Universitäten, Studenten und Flüchtlinge zusammengekommen sind, um gemeinsam an der Ideenfindung und möglichen Umsetzung des Projekts zu arbeiten.

Während seines Vortrags an der Uni Passau im Rahmen der Vorlesungsreihe „Urbane Lebensräume zwischen Wertschöpfung und Teilhabe“ äußerte Ralf Pasel, Vertreter des Projekts an der TU Berlin, dass durch solche Initiativen partizipativer Architektur Identität aufgebaut und letztendlich Inklusion verwirklicht werden kann.

 

 

Inklusion durch Architektur

Im Wintersemester 2015/2016 fertigten die Architekturstudenten der beteiligten Hochschulen zahlreiche Entwürfe an, die das Thema Wohnraum für Flüchtlinge von einer ganz anderen Seite beleuchten. Die Ergebnisse geben innovative Antworten darauf, wie Inklusion durch gemeinsames Wohnen umgesetzt und Nachhaltigkeit garantiert werden kann.

 

Entwürfe Studierender der beteiligten Unis. Foto verfügbar unter https://homenotshelter.com/project-type/studentenentwuerfe/

Ein neues Zuhause schaffen

Exemplarisch umgesetzt worden sind die planerischen Arbeiten erstmals in der Initiative Traudi in Wien. Dort wurde der vierte und fünfte Stock der ehemaligen Zentralniederlassung von Siemens im 10. Quartier der Stadt in eine gemeinsame Unterkunft für Studierende und Geflüchtete umgewandelt.

Das Gebäude wird von der Caritas betrieben und soll nun für rund 70 junge Migranten und für 70 Studierende oder junge Menschen in Berufsausbildungen ein neues Zuhause werden. Vorerst läuft das Projekt über drei Jahre.

 

Inklusion durch Architektur

Ehemals Bürogebäude, jetzt integratives Wohnprojekt. Foto: Paul Kranzler, Leipzig

Bewusst werden ausschließlich Steckverbindungen mit Holz verbaut sowie Grundgerüste, die die Bewohner selbst erweitern und an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Wie in Österreich üblich werden die Schlafräume zwischen zwei bis drei Personen geteilt.

 

Inklusion durch Architektur

Ein (fast) fertig eingerichtetes Zimmer. Foto verfügbar unter www.facebook.com/traudiwas

Jeder neue Bewohner erhält sein Zimmer im „Rohzustand“. Die von ihm gewünschte Ausbauvariante wird mit den Traudis – so nennen sich die Studierenden der TU Wien, die das Projekt umsetzen – gemeinsam erarbeitet und die Grundkonstruktion den Vorstellungen und Präferenzen angepasst.

 

Inklusion durch Architektur

Gemeinsames Arbeiten im Traudi-Projekt. Foto: Petra Panna Nagy, Wien

Das eigene Zimmer baut also jeder selbst auf. Auch an den Gemeinschaftsräumen haben die HOME NOT SHELTER!-Studenten und -Flüchtlinge gemeinsam gearbeitet. So soll eine möglichst hohe Identifikation mit dem neuen Zuhause erzielt werden.

Vorbild in der Wohnraumdebatte

In Deutschland ist die Umsetzung bisher aus Mangel an entsprechenden Gebäuden gescheitert, die sich zum einen in stabilen Vierteln der beteiligten Städte und zum anderen im Rahmen des finanziell Möglichen befinden. Es liegt nun in den Händen der Vertreter der Politik, diese Ideen gemeinsam mit Architekten, Stadtplanern, Geldgebern und engagierten Bürgern in die Tat umzusetzen.

Inklusion BETO App

 

Im ganz alltäglichen Rahmen kann man sich über BETO engagieren. Die App verbindet Menschen lokal anhand von Gesuchen und Angeboten verschiedenster Art – sei es die Begleitung zu einer Behörde, Sprachunterricht oder gemeinsames Kochen. Jeder Einzelne kann so mit seinen Stärken dazu beitragen, das gesellschaftliches Miteinander zu fördern.

BETO – we’re better together.